Zoologische Gesellschaft Zürich


 

 

 

  

 

Die Vortragsserie im Herbstsemester 2017

 


Die Vorträge finden statt im Gebäude des

 

Rechtswissenschaftlichen Instituts der Universität Zürich,

 

Rämistrasse 74, Hörsaal RAI H-041. Beginn jeweils 18.15 Uhr.

 

 

 

 


Dienstag, 03. Oktober 2017, 18.15 Uhr 

 

Doppeltes Vermächtnis – Zur Evolution der Kooperation bei Menschen und anderen Affen

 

PD Dr. Judith Burkart

 

Anthropologisches Institut & Museum, Universität Zürich

 

Kooperationsfähigkeit spielt eine Schlüsselrolle in der Erfolgsgeschichte der Evolution des Menschen. Aber wie kam es dazu? Vergleichende Studien zur Kooperation bei verschiedenen Affen und anderen Arten zeigen auf, dass we-der einzigartig menschliche Evolutionsprozesse notwendig waren, noch waren unsere kognitiven Fähigkeiten ausschlaggebend. Vielmehr spielt die Art und Weise, wie Nachkommen aufgezogen werden, eine zentrale Rolle. Ich werde eine Übersicht über diese aktuellen Forschungsergebnisse präsentieren und aufzeigen, wie auch einzigartig menschliche Fähigkeiten durch allgemeine biologische Gesetzmässigkeiten erklärbar werden können.

 


Dienstag, 31. Oktober 2017, 18.15 Uhr 

 

Das Sozialleben der Bakterien

 

Prof. Dr. Rolf Kümmerlii

 

Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie, Universität Zürich

Obwohl Bakterien kaum kognitive Fähigkeiten besitzen, zeigen sie eine Vielfalt von einfachen sozialen Verhalten. Zum Beispiel sind Bakterien in der Lage durch chemische Signalstoffe miteinander zu kommunizieren, und dadurch ihr Verhalten auf Gruppenebene zu koordinieren. Bakterien formen zudem mehr-zellige Strukturen wie Biofilme und Fruchtkörper. Doch Bakterien kooperieren nicht nur miteinander sondern besitzen auch ausgeklügelte “Waffensysteme”, bestehend aus Injektionsnadeln und Giftstoffen, um Konkurrenten in die Schranken zu weisen. Dieser Vortrag verschafft einen Einblick in die soziale Welt dieser winzigen Lebewesen.

 


Dienstag, 14. Novemer 2017, 18.15 Uhr 

 

Familienleben in der Vogelwelt: ein entscheidender Schritt für die Evolution von Kooperation

 

Dr. Michael Griesser

 

Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften, Universität Zürich

 

Wie kann man erklären, dass Individuen anderen Individuen bei deren Brut-pflege helfen? Schon Charles Darwin zerbrach sich seinen Kopf um zu verste-hen wie sich die Evolution von uneigennütziges Verhalten erklären lässt. Ko-operative Brutpflege existiert in Insekten, Fischen, Säugetieren und Vögeln, es gibt jedoch bisher keinen Konsensus welche Faktoren die Evolution von koope-rative Brutpflege fördern. Ca. 15-25% aller Vogelarten zeigen diese Form von Brutpflege, und die meisten dieser Arten leben in Familiengruppen. Es wurde aber bisher übersehen, dass viele Arten in Familien leben aber keine koopera-tive Brutpflege haben. Das Erlernen von überlebenswichtigen Fähigkeiten ist vermutlich eine wichtige Funktion von Familienleben im Allgemeinen, sowohl in der Tierwelt als auch bei uns Menschen.

 

 


Dienstag, 28. November 2017, 18.15 Uhr

 

Kooperation im Konflikt: Krieg bei Menschen und anderen Primaten

Dr. Erik Willems

Anthropologisches Institut & Museum, Universität Zürich

In der Biologie definiert man Kooperation als soziales Verhalten, welches einen positiven Effekt auf die Fitness eines anderen Individuums hat. Auf den ersten Blick scheint sich Kooperation also schwer mit der Darwinschen Evolutionsthe-orie in Einklang bringen zu lassen, bei der es vor allen Dingen um natürliche Auslese durch Konkurrenz geht. Dennoch ist Kooperation ein weit verbreitetes Phänomen auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Biologie. Vielleicht eines der spektakulärsten Beispiele von Kooperation beim Menschen finden wir bei aggressiven Konflikten zwischen Gruppen, z.B. in der Kriegsführung. In meinem Vortrag werde ich Erkenntnisse aus vergleichenden Studien bei nichtmenschlichen Primaten vorstellen. Insbesondere werde ich die Zusam-menarbeit von Gruppenmitgliedern bei aggressiven Gruppenkonflikten in Grü-nen Meerkatzen aus Südafrika beschreiben und Ähnlichkeiten und Unterschie-de im Vergleich zu menschlicher Kriegsführung aufzeigen.

 

 


 

Dienstag, 12. Dezember 2017, 18.15 Uhr

 

Reziproke Kooperation bei Armeehunden

Nastassja Gferer, cand. rer. nat.

Institut für Ökologie und Evolution, Universität Bern

Menschen werden hilfsbereiter, wenn ihnen zuvor geholfen wurde. Man spricht in diesem Fall von «Gegenseitigkeit» oder «Reziprozität». Erhöhte Hilfsbereit-schaft kann dabei entweder einem vorherigen Helfer gegenüber gezeigt wer-den, oder auch irgendeinem anderen Mitglied der Gesellschaft. Im Fachjargon wird das als «generalisierte Reziprozität» bezeichnet. Es ist bislang nicht klar, wie weit verbreitet derartige Kooperationsmuster im Tierreich sind, bezie-hungsweise wo die evolutiven Wurzeln für unsere «grosszügige» Hilfsbereit-schaft aufgrund erfahrener Hilfe liegen.
In mehreren Experimenten untersuchten wir, ob und zu welchem Grad rezipro-kes Verhalten bei Schweizer Armeehunden vorkommt. Hunde stützen ihre Entscheidung, einem Sozialpartner zu helfen, nicht auf ihre Erfahrung mit ei-nem bestimmten Individuum, sondern werden generell durch erfahrenen Bei-stand Artgenossen gegenüber hilfsbereiter, selbst wenn sie diese vorher nie getroffen hatten. Diese generalisierte Form von Reziprozität konnte damit in Hunden als erste Art nachgewiesen werden.

 


 

 

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